Strohwitwe Popela

Der Mann ist ein Ingenieur. Genauer gesagt, ein solcher, der oft für längere Zeit ins Ausland reisen muss, um irgendwelche Projekte in, sagen wir, Usbekistan, Mosambique oder Albanian, abzuwickeln. Das ist wirklich ein schöner und sinnvoller Job, auf den der Mann ca. 8 Jahre hinstudiert hat, den er sich immer so gewünscht und vorgestellt hat. Und selbstverständlich gab es im Vorfeld etliche Diskussionen, ob und wie wir mit so einem Job unsere Familie organsieren.

Zuallererst habe ich immer gesagt, toll, da geh ich mit, das machen wir. Ich habe nach dem Germanistikstudium nebenberuflich noch einen zweijährigen, postgradualen Lehrgang drangehängt, damit ich in so einem Land nicht ohne Job dastehe, habe mein Englisch ordentlich aufgefrischt (man muss ja nicht dazusagen, mit welchen Serien im OT ich das gemacht habe) und mich mit dem Gedanken angefreundet, ein paar Jahre im Ausland zu leben. Über Kinder haben wir zu dem Zeitpunkt nicht genauer nachgedacht.

Dann kam es etwas anders. Der Job des Mannes beschränkt sich derzeit auf kurze Projektphasen, ca. 12-20 Tage, alle paar Wochen/Monate, je nach Projektlage, der Rest des Jobs ist in Wien (wenn auch am komplett anderen Ende der Stadt.) Zudem hatten wir voriges Jahr beschlossen, an den Stadtrand zu ziehen, in eine neue Dreizimmerwohnung mit Garten, inkl. Genossenschaftsbeitrag. So ein Wohnkonzept lohnt sich erst wirklich, wenn an die fünf Jahre darin wohnt. Insofern ist die nächste Zeit besiegelt, sodass sich nun mit der Geburt des Babys eine Strohwitwensituation ergibt, die sich so nie gewollt hatte.

Nächtelang hatte ich mit dem Mann diskutiert, dass ich unter solchen Umständen keine Kinder großziehen möchte. Großteils allein, ohne Unterstützung durch einen Mann, der zuverlässig abends von der Arbeit nach Hause kommt. Zumal wir hier keine Großeltern in der Nähe haben (die wohnen 300 – 800 Kilometer entfernt.)

Nächtelang hatte der Mann mich beschwichtigt, dass alles gut würde und ich keine Angst haben sollte, dass wir alles organsieren werden. Monatelang (während er Schwangerschaft) hatte er geschworen, dass er nirgends hinfahren würde, mich nicht allein lassen würde. (Panikphase!)

Was war also passiert, dass ich heute hier sitze, an Tag 7 meiner Strohwitwenzeit1 mit Baby, entspannt einen Kaffee trinke und diese Zeilen hintippe, während das Baby im Garten schäft? Hm.

Als schlussendlich klar war, dass der Mann dieses Projekt übernehmen darf, hatte ich plötzlich keine Panik mehr, dass ich hier sitze (haha) und allein Kinder aufziehe, während der Mann lustig in der Weltgeschichte herumgondelt. Stattdessen habe ich mich einfach unbändig für ihn gefreut und mir überlegt, wie ich die Zeit allein mit dem Baby am besten gestalten kann, ohne dass mir die Decke auf den Kopf fällt.

Zuallererst habe ich Menschen um Hilfe gebeten. Und mir bezahlte Hilfe organsiert. Das Wichtigste für mich war die Zugehdame (die ich schon seit einigen Wochen von der Nachbarin sporadisch „ausleihe“). Es ist beruhigend zu wissen, dass man jemanden anrufen kann, der vorbeikommt und schnell mal alles saugt und wischt, wenn man sich selber nicht mehr raussieht. (Bisher war das z.B. gar nicht nötig.)

Die zweite Bezahlhilfe ist die Babysitterin, die in der Abwesenheit des Mannes ans Baby gewöhnt wird. Sie kommt dreimal eine Stunde vorbei und spielt mit dem Baby, damit ich ein paar Handgriffe in Ruhe erleidgen kann (z.B. Wischen ist mit Krabbelbaby ein Ding der Unmöglichkeit, und gerade das Krabbelbaby zeigt einem deutlich, wie nötig es wieder mal wäre, den Boden sauberzuhaben).

Die ersten Tage sind wir zeitgleich mit dem Mann abgereist und haben meine Schwester besucht, die sich ein paar Tage frei genommen hat, um mich mit dem Baby zu unterstützen. Auf die Art konnte ich sogar ein bisschen arbeiten, während sie mit dem Baby spazieren gegangen ist. Oder eine Freundin hat uns zum Babyschwimmen begleitet, damit ich mir den Stress nicht allein antun muss. Das alles entlastet ungemein.

Bisher fühle ich mich entspannt und bin an keinem Zeitpunkt an meine Grenzen gelangt. Es ist aber erst eine Woche vergangen, vier Tage bleiben übrig. Wir telefonieren täglich per Videoskype mit dem Mann und das Baby erkennt ihn und unterhält sich auf diese Art mit ihm, obwohl es nächste Woche erst 8 Monate alt wird. (Acht!)
Bleibt zu hoffen, dass das Baby seine gute Krabbellaune behält (und jetzt dann mal ins Bett geht!)

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Irgendwo muss man ja anfangen

Heute, weil das Kind neuerdings nur noch im Wagerl schlafen mag und ich auf diese Art gezwungen bin, mich erstens ordentlich anzuziehen und nicht mehr nach Lust und Laune den halben Tag (bis knapp vor Mannheimkunft) im Schlamperhanslegginslook herumlaufen kann, und zweitens längere Kinderwagentouren machen muss, — Schminken habe ich bisher verweigert (ein Trick ist auch, sich unten den Lidstrich zu malen, das vergrößert die Augen und gaukelt ein seriös Geschminktsein vor)

So fing also dieser erste Eintrag gestern Nachmittag an.

Und dann kam mir was dazwischen.
Ihr seht schon, alles normal hier.
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